Erstkontakt

16. Dezember. Es war ein fast schon intimer Moment, als Heinz (Name vom Redakteur frei erfunden) seine Hand auch 30 Sekunden nach dem Einsteigen ins Schlauchboot noch immer auf meinem Knie liegen hatte. Ich sagte nichts und ließ ihn gewähren. Wer war ich, ihm in dieser kalten und trostlosen Umgebung dieses Bisschen Wärme zu verweigern? Außerdem hatte ich wenige Sekunden zuvor seine Frau Heide (Name hiermit vom Redakteur öffentlich bekannt gegeben) "kennengelernt" und Mitleid mit ihm empfunden. Heide machte prinzipiell das Gegenteil von dem, was sie sollte, insbesondere ruhig sitzen und vor allem sitzen bleiben. 


Erste Anladung bei der Arctowski-Station

Als die norddeutsche Rebellin schon wieder nicht spurte und zum bereits dritten Mal aufsprang, um endlich an Land gehen zu können, gab ihr Heinz einen Klaps auf den Arm. Ich hätte sie ja über Bord geworfen, wusste aber einerseits, dass sie wie wir alle eine Schwimmweste trug, und wollte mich andererseits auch nicht in diese so disharmonisch wirkende Beziehung einmischen. Stattdessen sah ich teilnahmslos dabei zu, wie sie versuchte, sich aus dem Schlauchboot zu schwingen und fragte mich, welcher Gesundheitszustand ihr wohl von ihrem Hausarzt attestiert worden war: etwa auch exzellent?


Land in Sicht
Der Morgen begann wie der Abend zuvor geendet hatte: mit einem flauen Gefühl im Magen. Der Gang aufs Außendeck offenbarte aufgrund eines charakteristischen, säuerlichen Geruchs im Stiegenhaus zwischen Deck fünf und sechs jedoch, dass es anderen wesentlich schlechter gegangen sein dürfte.
Auch die vorderste Glasfront des Panoramadecks, erzählte man mir beim anschließenden Frühstück, hatte es im wahrsten Sinne übel erwischt. Immerhin hatten die Verantwortlichen so viel Anstand, vor dem Malheur zu warnen - andernfalls wäre womöglich eine Kettenreaktion in Gang gesetzt worden, gegen die auch die überall an Bord verteilten Desinfektionsmittelspender nichts auszurichten vermocht hätten.

Der Vormittag: sonnig und klar,
aber spürbar kälter

Doch zurück zu etwas Erfreulicherem, allen voran drei Premieren auf dieser Reise: der erste Eisberg, die ersten Pinguine und der erste Landgang. Für die Eisberge gilt: Sie machten deutlich, was viele von uns in der Früh bereits gespürt hatten: Es war merklich kälter geworden. Nach den nahezu milden neun Grad in Ushuaia waren die Temperatur auf um die null bis zwei Grad gesunken - nicht unbedingt das, was man sich unter antarktisch vorstellt, aber in Verbindung mit dem nach wie vor lebhaften Wind kalt genug, um nun endlich auch die lange Unterhose auszupacken.

Der erste Eisberg auf dieser Reise
Die Adelie-, Esels und Zügelpinguine brauchten diese selbstverständlich nicht. Die ersten von ihnen entdeckte ich während unsere Fahrt zur Admiralty Bay bzw. der polnischen Arctowski-Forschungsstation auf King George Island. Sie schwammen parallel zum Schiff, schienen uns zu begleiten und sprangen wie Delfine aus dem Wasser, welches mitunter so klar war, dass man ihre gedrungenen Körper unter der Wasseroberfläche ausspähen konnte. Doch so sehr sie sich auch bemühten, abzuheben und in die Lüfte zu steigen, es gelang ihnen mit ihren kümmerlichen Flügelchen einfach nicht.

Eselspinguin

Zügelpinguin


Wahrscheinlich bleiben deshalb viele von ihnen einfach frustriert an Land stehen. Auf den Hängen rund um die Arctowski-Station brüten sie so zahlreich, dass ich sie bei der ersten Anlandung dieser Reise bei eher trübem Wetter zunächst gar nicht wahrgenommen hatte. Was ich aus der Ferne für Geröll hielt, entpuppte sich bei genauerem Hinsehen jedoch als eine gewaltige Kolonie. Zwei Seeelefanten und imposante Überbleibsel der glücklicherweise weitgehend vergangenen Walfänger-Tage in Form gewaltiger Gerippe boten weitere Foto-Motive.




Sie sind überall!

Sie leider nicht mehr :(

Die erste Begegnung mit Adeliepinguinen an Land

Seeelefant, hat leider nicht wie beim "Urmel" gesungen


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