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| Die Frisur sitzt, der Rest nicht mehr ganz so. |
13. Dezember (noch immer) und ein bisschen 14. Dezember. Die kühle Abendluft roch nach Zedern und Mate-Tee. Mein Blick schweifte über die schuhschachteligen Barrio-Bauten mit blättrigem Außenputz und rostiger Klimaanlage an der Fassade, während ich an Mautstationen und Tankstellen mit lustigen Namen ("YPF") dahinrauschte. Vereinzelt funkelte Weihnachtsschmuck in grellen Farben. In meinem Kopf war es längst dunkel, die Uhr stand auf sechs - österreichischer Zeit. Ich war nun seit fast 24 Stunden auf den Beinen, mehr tot als lebendig. Doch hier pulsierte das Leben. Ich war am vorläufigen Ziel: Buenos Aires.
Zeit, anzukommen, gönnte mir die Stadt allerdings nicht. In der Hotelrezeption hieß es um 1.30 Uhr lokaler Zeit, dass der nächste Shuttle für den Flug nach Ushuaia um 4.30 Uhr geht. Das Gepäck werde aber bereits um 2.30 Uhr abgeholt. Ich also rauf aufs Zimmer, unter die Dusche, rein in frische Klamotten, Koffer wieder zur Rezeption. Und nun liege ich hier, tippend, und frage mich, wieso es heute eigentlich schon wieder so stressig war. (Rhetorische Frage, als allwissender Erzähler weiß ich die Antwort natürlich längst ...).
Was war passiert? Eine Rückblende:
Karma is a bitch. Nachdem ich dachte, dass es nach gestern nicht schlimmer werden konnte, wurde ich heute bald eines Besseren belehrt. Dabei waren die frisch frittierten Churros zum Frühstück nach drei Stunden Schlaf in Madrid ein gelungener Auftakt und eine erfolgreiche Belastungsprobe für den während der letzten Tage aufgewühlten und nur durch Iberogast gezähmten Magen. Die reichhaltige Auswahl tröstete auch darüber hinweg, dass man im Hotelzimmer beim Niedersitzen aufs Heisl aufpassen musste, sich nicht selbst mit dem Kopf am Waschbecken denselbigen blutig zu schlagen. Dankenswerterweise hatten sie an der kritischen Stelle einen Kantenschutz für Kinder aus Kunststoff hingepickt.
Sogar der Shuttle zurück zum Flughafen kam pünktlich, die Security-Kontrollen ließ ich schnell hinter mir. Diesmal wurde der Sprengstoffabstrich nur an mir und nicht an den Kameras durchgeführt. Ein echter Fortschritt. Gegen Mittag dann wie geplant das Boarding. Im neuen Flieger sitzend, schien es fast so, als würde es nun endlich nach Buenos Aires gehen. Nur, warum fliegt denn nichts? Ach so, 30 bis 40 Minuten Verspätung wegen technischer Probleme. Kein Ding, das On-Board-Entertainment lief schließlich bereits.
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| Mehrfach ungeschlagener Iberia-Schach-Champion (höchster Schwierigkeitsgrad) |
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| An Schlaf war nicht zu denken: Das kleine Mädchen starrte mich über Stunden hinweg vom Bildschirm vor mir mit scheinbar geballter Faust und grimmigem Blick an. |
Am Ende des Tages dürfte uns Seine Nudligkeit doch noch erhört haben. Denn immerhin tippe ich diese Zeile gerade in 11279 Metern Höhe über dem weiten Ozean, irgendwo westlich von Dakar, noch knapp acht Stunden Flugzeit vor mir. Mit erwartungsgemäß zweieinhalb Stunden Verspätung dürfte ich dann tatsächlich gegen Mitternacht Ortszeit in Buenos Aires landen - und wer weiß, vielleicht sind dann sogar vier Stunden Schlaf drin (wie naiv ich doch war, Anm.).
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| A schware Partie |
Der Form halber hier noch schnell ein paar Filmkritiken:
Fast & Furious Presents: Hobbs & Shaw: Ein flammendes Plädoyer für mehr Humanismus in Zeiten der Digitalisierung.
Detektiv Pikachu: Humorige Milieustudie über die Folgen, positiv wie negativ, einer unkontrollierten Migration.
Godzilla King of Monsters: Ein lahmes Lehrstück über den blinden Glauben an ewiges Wachstum und saubere Atomenergie.
Ad Astra: Das Weltall sind die anderen (frei nach Sartre).
Atomic Blonde: Charlize Theron. CHARLIZE. THERON.





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