"Goodbye"

29. Dezember. "Goodbye". Ein letztes Mal vernehme ich die sonore Computerstimme beim Auschecken mit meiner Bordkarte. Es ist 8.30 Uhr und ich verlasse die MS Midnatsol über die Gangway auf Deck 3. Ein Bus wartet bereits auf mich, um mich von Hafen von Ushuaia ins Stadtzentrum zu bringen. Das sind immerhin mindestens 500 Meter. Doris, die Stadtführerin, sitzt bereits im Bus, zeigt sich aber eindeutig weniger gesprächig als noch bei der Hinfahrt. Ich bin ihr nicht böse. Ein paar Guides haben sich auch am Pier versammelt und winken zum Abschied. 
Ushuaia im Sonnenschein
Vorbei geht es an riesigen Schiffen, die allesamt auf neue Gäste warten. Entsprechend voll ist es in Ushuaia, das uns bei strahlendem Sonnenschein, aber kräftigem Wind begrüßt. Die meisten Antarktis-Reisenden zieht es schnurstracks zum Tourismusbüro. Nach zweiwöchiger Enthaltsamkeit können sie sich hier das erste Mal wieder in ein Gratis-WLAN einloggen und die Daheimgebliebenen mit nun nicht mehr ganz so brandheißen Infos versorgen.
Unbezahlte Schleichwerbung
Ansonsten gibt es leider auch nicht viel zu tun. Es ist Sonntag, noch dazu früh morgens, und die meisten Geschäfte haben trotz Touristenschwemme geschlossen. Selbst die Straßenhunde, von denen es einige gibt, schlafen noch oder liegen träge herum. Aus meinem Plan, mich mit Churros einzudecken, wird demnach nichts, dabei fühle ich nach nur vier Palatschinken und Rührei zum Frühstück bereits wieder ein leichtes Knurren im Magen. Ich vertreibe mir die Zeit mit Warten und blicke aufs Meer.


Leider unerreichbar
Um 11 Uhr geht es endlich weiter zum Flughafen. Unser Gepäck wurde bereits eingecheckt, ich brauche nur noch meine Bordkarte am Schalter N-Z abzuholen. Ausnahmsweise bin ich froh, Räuchle zu heißen, denn die Mitarbeiterin am Schalter A-M wiegt das Handgepäck - und meines hat vier Kilo zu viel. 

Der Flug selbst verläuft planmäßig und ruhig. Nur gegen Ende gibt es ein paar Turbulenzen. Als offiziell zertifizierter Überlebender der Drake Passage entlocken sie mir nur ein müdes Lächeln. "Mehr hast du nicht zu bieten, Gott?", frage ich mich und döse weiter.

Buenos Aires empfängt uns schließlich mit feucht-heißen 36 Grad Celsius. Genau das richtige Klima für uns, die wir zum Teil noch mit dicken Parkas, Haube und Schal in Ushuaia ins Flugzeug gestiegen sind. Der Schweiß rinnt mir bereits herab, als ich mit meiner Reisetasche und den 12 Kilogramm am Rücken durch den halben Flughafen eile, um wie die anderen Mitreisenden zum Bus zu gelangen, der mich ins Hotel bringt.

Noch am Vortag waren alle schriftlich darüber informiert worden, in welchen Bus sie einzusteigen haben. Aber so eine 3 schaut einer 4 eben zum Verwechseln ähnlich. Das Chaos ist perfekt, als ein dritter Bus zwischen den beiden für den Transfer vorhergesehenen Bussen anhält und Gepäck auslädt. Das ist das Signal, auf das manche Mitreisende gewartet haben, darunter auch mein Freund, der gerne Pizza ohne Tomate bestellt: Sie fangen einfach an, ihr Gepäck in den wildfremden Bus zu stapeln. Irgendeiner verdirbt mir schließlich den Spaß und klärt sie über ihren Irrtum auf.
Es weihnachtet, bei 36 Grad
Kurze Zeit später, vorbei an den nicht gerade schönsten Ecken Buenos Aires', bin ich im Hotel angelangt - und im Gegensatz zum Hinflug darf ich sogar länger als zwei Stunden bleiben. Die Stadt wird allerdings weiter auf mich warten müssen. Duschen und tippen gehen vor, das Essen bringt der Room Service (ein Hoch auf die Inflation!), und am Vormittag geht es schon wieder an den Flughafen. Sofern es Iberia nicht wieder verbockt, sollte ich rechtzeitig zur Sektkorken-Knallerei wieder in Wien sein.

"...weil hier in dieser Luft sowieso nur alles absterben würde."
Antwort eines Vaters auf die Frage seines Sohnes, warum die Zaunbegrünung am Flughafen von Buenos Aires aus Plastik ist.

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