Heiß Heiß Baby

21. Dezember. 6 Uhr aufstehen, 6.30 Uhr frühstücken, 7.30 Uhr Treffen mit der Neigungsgruppe Fotografie – erholsamer Urlaub schaut anders aus. Das Aufstehen hat sich aber gelohnt, denn das Ziel, Neko Harbour, benannt nach einem schottischen Walfänger, der dort zwischen 1911 und 1924 operierte, ist atemberaubend und entspricht ziemlich exakt meiner Idealvorstellung von Antarktis: kalbende Gletscher, wohin das Auge blickt, darüber schroffe, schneebedeckte Berggipfel, brütende Pinguine sowie eine einzelne Weddelrobbe, die sich die Sonne auf den Pelz scheinen lässt und sich ansonsten nicht im Geringsten um uns Besucher schert.

Weddellrobbe
Von der steinigen Anlandestelle geht es bald recht steil bergauf, vorbei an den von Eselspinguinen angelegten „Highways“ alias Watschelpfaden, durch die sie runter ans Meer gelangen, bis zu ihrer Brutstätte. Geschlüpft sind hier noch keine Küken, noch wird fleißig gebrütet. Ein einzelner Pinguin ist noch mit Nestbau beschäftigt und stibitzt dafür unter großem Gezeter ihrer Besitzer von benachbarten Nestern Steine. Von ihren Rufen und gelegentlichem Grollen der Gletscher abgesehen, ist es ansonsten vor allem eines: still und friedlich.

Pinguin-Highway
Am Nachmittag geht es mit dem Schiff weiter Richtung Paradise Harbor, um mit den Schlauchbooten eine Runde zu drehen. Das Wetter ist inzwischen nicht mehr ganz so blau, sondern grau, beeindruckend bleibt die Kulisse aber allemal. Eselspinguine, eine Handvoll Robben, aber vor allem Blauaugenscharben und Küstenseeschwalben prägen die Szenerie. Und ein paar Argentinier. Sie sind unmittelbar nach uns angekommen, um die Brown Station zu beziehen.

Blauaugenscharbe

Küstenseeschwalbe

Die Forschungsstation war viele Jahre lang ganzjährig besetzt. Das änderte sich schlagartig, als sie 1984 abbrannte – in Brand gesetzt vom eigenen Stationsarzt, der, weil seine Ablöse nicht kam, ein drittes Jahr in Folge dort Dienst verrichten sollte. Um von diesem von Gott verlassenen Ort zu verschwinden, legte er Feuer, als ein US-Schiff in der Nähe war – und wurde mitsamt seinen Kollegen evakuiert. Seitdem herrscht Sommerbetrieb, und auch die Ablösung dürfte so schnell nicht mehr auf sich warten lassen.

Brown Station


Apropos Sommer: „Wie kalt ist es eigentlich in der Antarktis?“ - wohl kaum eine andere Frage wurde mir im Vorfeld meiner Reise öfter gestellt. Nachdem diese nun zur Hälfte vorbei ist, erlaube ich mir ein vorläufiges Urteil: nicht so. Ich bin mir dessen bewusst, dass das persönliche Kälteempfinden sehr unterschiedlich sein kann, ich sitze schließlich nahezu ganzjährig im eigenen Saft schmorend bei konstanten 26 Grad in einem Großraumbüro, während sich vor allem Kolleginnen mit dem Heizstrahler die Füße wärmen. Weil es zieht.


Das tut es hier unten mitunter auch, der Wind kann durchaus fies sein. Die Temperaturen liegen während des antarktischen Sommers in Küstennähe allerdings bei um die null Grad und sind damit mehr als erträglich. Und da viele von uns, mich eingeschlossen, eher für minus 30 Grad gepackt haben, schwitzen wir jetzt jeden Tag fröhlich vor uns hin, insbesondere an Bord, wo es mollig warm ist und man, von oben bis unten warm eingepackt, mitunter 20 Minuten jeden Tag darauf warten muss, dass man zu den Schlauchbooten und damit in die kühle Außenwelt gerufen wird.

Vom Tenderpit geht es jeden Tag in die Schlauchboote
Stichwort kühle Außenwelt: Ich wurde nach dem gestrigen Blogpost mehrfach gefragt, ob ich denn zum Schwimmen in der Antarktis einen Neoprenanzug an gehabt hätte. Eine, wie ich finde, zutiefst beleidigende Frage. Natürlich nicht, sonst würde das ja jeder machen. Nein, nur ich und meine blaue Badehose. Inzwischen gibt es übrigens auch ein offizielles Zertifikat, was ich euch freilich nicht vorenthalten möchte:


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