Plan B

18. Dezember. Das Leben in der Antarktis ist kein Ponyhof. Die Ponys von Robert Falcon Scott mussten das auf die harte Tour lernen. Erschossen wurde bei uns zwar glücklicherweise noch niemand, doch auch auf dieser Expedition verläuft nicht immer alles nach Plan. Die für heute angedachte Anlandung an/bei Brown Bluff, einem ehemaligen Tafelvulkan, sowie alle anderen Aktivitäten mussten wegen des Packeises abgesagt werden. Die Gefahr wäre zu groß gewesen, dass, einmal an Land, wir, die Passagiere, vom Eis eingeschlossen werden. Da keiner von uns ein Pony dabei hat, wäre das wohl ein schnelles Ende gewesen.


Glücklicherweise gab es einen Plan B, nämlich mit den Schlauchbooten raus und durch das treibende Eis zu fahren. Nicht nur die Dimensionen, sondern auch die unterschiedlichen Formen und Färbungen der Schollen und Eisberge sind schlichtweg spektakulär anzuschauen - erst recht, wenn die Sonne nahezu den ganzen Tag scheint und nur wenige Wolken den Himmel trüben. Die Kehrseite des Ganzen: Ich habe seit gestern vom Kayaking einen leichten Sonnenbrand.


Ganz generell ist jeder Passagier einer Bootsgruppe zugeteilt (Team Eselspinguin, wohoo!), die nach einem rotierenden Schema wechselweise an Land oder auf dem Wasser unterwegs ist, da immer nur maximal 100 Menschen gleichzeitig antarktischen Boden betreten dürfen. Bei rund 350 Passagieren und 15 Schlauchbooten eine bereits recht ordentliche organisatorische Leistung. Macht dann allerdings so wie heute das Eis oder Wetter einen Strich durch die Rechnung, bedarf es einer gewissen Flexibilität.


In jedem Fall scheinen wir so schnell nicht verhungern zu müssen. Für Frühaufsteher gibt es täglich zwischen 5 und 7 Uhr bereits die Möglichkeit, sich den Magen zu füllen. Das eigentliche Frühstücksbuffet gibt es von 7 bis 10 Uhr, ehe dann ab 11.30 bis 14 Uhr auf dem Außendeck das "leichte Mittagessen" gereicht wird. Das deftigere in Form eines Buffets gibt es von 12 bis 14.30 Uhr, Nachmittagessen dann von 15 bis 17 Uhr. Dann heißt es warten, nämlich satte (haha, Wortspiel) 60 Minuten, ehe es von 18 bis 21 Uhr Abendessen gibt und der Magen wieder acht Stunden Zeit zum Entspannen hat.


P.S.: Bin heute morgen wach geworden, habe die Vorhänge zur Seite gezogen und vor meinem "Bullauge" zwei Wale vorbeischwimmen gesehen.


Kommentare