Weiße Weihnacht

24. Dezember. Weihnachten, das hätte eigentlich ein entspannter Tag werden sollen. Von wegen Ruhe, Besinnlichkeit und so. Dummerweise hatte ich vergessen, dass ich mich zum Schneeschuhwandern angemeldet hatte, und dummerweise gehöre ich jetzt just zur ersten Gruppe, die bereits pünktlich um 7 Uhr mit dem Schlauchboot zu Damoy Point übersetzen darf, um dort, nach einer erneut recht feuchten Anlandung durchs Wasser, idyllisch zwei Stunden lang im Kreis spazieren zu gehen. Für Frühstück bleibt da leider keine Zeit.

Geht sich leichter als gedacht

Erst einmal angezogen, was zweifelsohne die größere Herausforderung darstellt als das eigentliche Wandern, führt der Trip mit den Schneeschuhen auf eine Anhöhe, die - nur schwer vorstellbar - früher als Start- und Landebahn für kleinere Flugzeuge diente. Von dort oben bietet sich zudem ein Blick auf Port Lockroy. Die einstige britische meteorologische Station ist heute ein Museum und beherbergt zugleich das südlichste Postamt der Welt. Gerne hätte ich ein paar Karten verschickt, die dann wahrscheinlich ein halbes Jahr später einmal angekommen wären, aber ein anderes Boot war vor uns da – und mehr als 350 Touristen gleichzeitig dürfen sich in Port Lockroy nicht tummeln.

Port Lockroy


Von der Anhöhe geht es wieder runter, weiter zu der aus der Ferne bereits gut sichtbaren britischen Damoy-Hütte, die früher während der Sommer quasi als Terminal bzw. Transit-Station für Forscher diente und nun ebenfalls ein für uns heute allerdings verschlossenes Museum ist. Nebenbei dient es Pinguinen als optimaler Unterschlupf zum Brüten. Ihnen scheint es dort so gut zu gefallen, dass manche von ihnen drei oder sogar vier Eier haben. Wo immer in der Antarktis Briten sind, dürfen übrigens die Argentinier nicht fehlen: Sie haben direkt gegenüber der türkisen Damoy Hut eine orange Wellblechhütte stehen.
Damoy Hut


Die Fahrt zurück zum Boot ist diesmal äußerst feucht-fröhlich. Als ich ankomme, sind Kamera und ich klatschnass. Erstere scheint es allerdings besser wegzustecken, ich muss erst einmal unter die Dusche auftauen. Um 12 Uhr schließlich die erste Mahlzeit des Tages. Ich schlage mir den Bauch vor allem mit Milchreis voll und träume gerade von einem ausgiebigen Mittagsschläfchen, als die Durchsage kommt, dass die Fotogruppe sich um 13 Uhr trifft. Zur Vorbesprechung, denke ich, doch wie ich sehe, sind alle fürs Cruisen bereits in voller Montur samt Schwimmweste und Equipment abfahrbereit.


Ich also mal wieder in die Kabine, umziehen, Sachen packen und innerhalb von fünf Minuten trotz schweren Magens beim Tender-Pit. Zwei Stunden lang fahren wir anschließend bei rauer See an Port Lockroy, Gletschern, Gebirgsmassiven, Pinguinen und Kormoranen vorbei. Ich will nicht undankbar sein, aber das hatten wir schon. Ich hoffe auf zumindest einen Seeleoparden oder Wal aus nächster Nähe, doch leider vergebens. Immerhin: Ein gigantischer, vermutlich mehrfach gedrehter und in seiner Form schlichtweg faszinierender Eisberg weiß gegen Ende der Tour dann doch noch zu begeistern. Es folgt Dusche drei an diesem Tag.


Danach kehrt endlich Ruhe ein. Das ganze Schiff ist bereits seit Tagen weihnachtlich dekoriert, heute werden noch auf allen Decks rote Socken aufgehängt. Der Weihnachtsmann hat sich schließlich angekündigt, bis 21.30 Uhr soll er an Bord sein und Geschenke verteilen – vorausgesetzt, man hat sie bis 16 Uhr bei der Rezeption abgegeben. Ich überlege mir kurz, nur zum Spaß wie Mister Bean für mich selbst ein Geschenk abzugeben, verwerfe die Idee dann aber doch.


Um 17 Uhr schließlich versammelt sich das ganze Schiff, um gemeinsam Weihnachtslieder zu singen. Mehrsprachige Textbüchlein werden dafür ausgeteilt und ein paar Kinder sorgen mit Kochtöpfen und Löffeln für das rhythmische Fundament. Mehr oder weniger. Es klingt furchtbar, also ganz genauso wie jedes Jahr im Kreise der Liebsten.

Meine Sorgen, dass Weihnachten ohne sie ziemlich einsam werden könnte, haben sich übrigens nicht bewahrheitet. Die österreichische Schicksalsgemeinschaft hat mich als siebtes Rad am Wagen herzlich aufgenommen und so schlagen wir uns gemeinsam die Bäuche voll, lachen und erzählen von den nächsten Reiseplänen. Und davon, dass wir uns dann bald zum gemeinsamen Dia-Abend treffen müssen. Bei all den Fotos, die jeder von uns schießt, dürfte es ein sehr langer und lustiger Abend werden...

P.S.: Morgen gibt es hier wahrscheinlich nichts zu lesen. Zum einen bin ich von den Upload-Zeiten unglaublich genervt, zum anderen steht aber ein ganz besonderes Erlebnis auf dem Programm - sofern das Wetter mitspielt. 

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